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ETF Auszahlplan 2026: 4-%-Regel, Rechner und Steuern

4 Min Lesezeit
Aktualisiert 25. Juni 2026
ETF Auszahlplan 2026: Mit dem richtigen Plan kannst du aus einem Depot von 500.000 € monatlich rund 1.500 € netto entnehmen — und das Portfolio hält statistisch 30 Jahre oder mehr. Die 4-%-Regel erklärt wie. Hier erfährst du, wie du deinen Auszahlplan aufbaust, was er kostet und wie du die Steuerlast optimierst.
4 %
4-%-Regel jährliche Entnahme
Bewährt — Portfolio hält statistisch 30+ Jahre
▲ positiv
500.000 €
Zieldepot für 1.500 €/Monat
Netto nach Steuern — bei 4 % Entnahme
25 %
Abgeltungsteuer Deutschland
Plus 5,5 % Solidaritätszuschlag
1.000 €
Sparerpauschbetrag
Jährlich steuerfrei — 2.000 € Ehepaare
▲ positiv

Was ist ein ETF-Auszahlplan?

Einfache Definition

Ein ETF-Auszahlplan ist eine Entnahmestrategie, bei der du regelmäßig Anteile deines ETF-Depots verkaufst oder Ausschüttungen entnimmst, um ein laufendes Einkommen zu erzielen — vergleichbar mit einer selbst organisierten Privatrente. Im Gegensatz zu einer Rentenversicherung bleibt das Kapital in deinem Besitz, du entscheidest über Höhe und Zeitpunkt der Entnahmen, und im Todesfall geht das verbleibende Vermögen an die Erben.

Wie funktioniert ein ETF-Auszahlplan im Detail?

Du investierst während der Ansparphase monatlich in einen breit gestreuten ETF (z. B. MSCI World). In der Entnahmephase verkaufst du monatlich oder quartalsweise Anteile in Höhe deines Entnahmebetrags. Bei ausschüttenden ETFs werden Dividenden direkt ausgezahlt und ergänzen die Teilverkäufe. Der Schlüssel ist die Entnahmerate — wie viel Prozent des Depots du pro Jahr entnimmst.

Strategien: Mit und ohne Kapitalverzehr

Mit Kapitalverzehr vs. Ohne Kapitalverzehr — Vergleich
KriteriumMit KapitalverzehrOhne Kapitalverzehr (nur Erträge)
EntnahmehöheHöher möglichBegrenzt auf Ausschüttungsrendite (ca. 2-3 %)
KapitaldauerBegrenzt — Depot wird aufgezehrtUnbegrenzt — Kapital bleibt erhalten
ErbschaftSinkendes RestkapitalVolles Kapital für Erben
MarktrisikoHoch (Sequence-of-Returns-Risiko)Geringer
Typischer ETFThesaurierend + TeilverkäufeAusschüttend (Dividenden-ETF)
Geeignet fürPlanungshorizont definiertKapitalerhalt als Ziel

Die 4-%-Regel erklärt

ℹ️ Was ist die 4-%-Regel und woher kommt sie?
Die 4-%-Regel basiert auf der Trinity-Studie (USA, 1998), die zeigte: Wer jährlich 4 % seines Portfolios entnimmt, hat in 96 % der historisch untersuchten 30-Jahres-Zeiträume sein Kapital nicht vollständig aufgebraucht — trotz Inflation und Börsencrashs. Wichtig: Die Regel wurde für US-Märkte entwickelt und bezieht sich auf inflationsangepasste Entnahmen. Für Deutsche Anleger gilt: Die 4-%-Regel ist ein guter Richtwert, aber konservativere 3–3,5 % sind bei kürzerer Ansparphase oder frühem Rentenbeginn sicherer. Steuer noch nicht eingerechnet — die tatsächliche Entnahme muss höher sein, um den Nettobetrag zu erzielen. Quelle: Trinity Study 1998, Finanztip.

Konkrete Beispiele: Wie viel Depot für welches Einkommen?

Benötigtes Depot für monatliches Nettoeinkommen (4-%-Regel, brutto)
Monatlicher BruttobedarfJährlicher BruttobedarfBenötigtes Depot (4 %)
500 €6.000 €150.000 €
1.000 €12.000 €300.000 €
1.500 €18.000 €450.000 €
2.000 €24.000 €600.000 €
3.000 €36.000 €900.000 €

Diese Zahlen sind vor Steuern. Nach Abgeltungsteuer (25 % + Soli) auf den Gewinnanteil der Entnahme liegt der tatsächliche Nettobetrag je nach Einstiegskurs etwas niedriger. Für 1.500 € Netto benötigst du je nach Steuerlast ein Depot von ca. 500.000–550.000 €.

Interaktiver ETF-Auszahlplan-Rechner

📊 ETF-Auszahlplan simulieren

Steuern und Freibeträge in Deutschland

ℹ️ Steuerliche Behandlung des ETF-Auszahlplans 2026
Abgeltungsteuer: 25 % + Solidaritätszuschlag (5,5 % auf die Steuer = effektiv 26,375 %) auf den steuerpflichtigen Gewinnanteil jeder Entnahme. Sparerpauschbetrag: 1.000 € (Single) / 2.000 € (Ehepaar) — Freistellungsauftrag beim Broker einrichten. Bei Teilverkäufen: Nur der Gewinnanteil (Differenz aus aktuellem Kurs minus Einstiegskurs) ist steuerpflichtig — nicht die gesamte Entnahme. Vorabpauschale: Bei thesaurierenden ETFs jährlich Anfang Januar fällig — mit Sparerpauschbetrag verrechenbar. Günstigerprüfung: Wer im Rentenalter einen persönlichen Steuersatz unter 25 % hat, kann über die Steuererklärung (Anlage KAP) erstatten lassen. Quellen: BMF, § 20 EStG, InvStG.

Steueroptimierung im Auszahlplan

Im Rentenalter ist die Günstigerprüfung besonders wertvoll: Viele Rentner haben einen persönlichen Steuersatz unter 25 % — damit lohnt sich die Anlage KAP in der Steuererklärung, um die bereits abgeführte Abgeltungsteuer teilweise zurückzufordern. Zudem gilt: Wer über mehrere Jahre Buchverluste akkumuliert hat, kann diese mit Gewinnen aus ETF-Verkäufen verrechnen (Verlustverrechnung im Verlusttopf des Brokers).

Broker-Vergleich für den Auszahlplan 2026

Broker-Vergleich für ETF-Auszahlplan — Kosten bei monatlichem Teilverkauf
BrokerKosten pro VerkaufsorderDepotführungBesonderheit
Trade Republic1 €KostenlosEinfach, App-basiert, ideal für Einsteiger
Scalable Capital0,99 € (PRIME)2,99 €/MonatKostenlose Sparpläne inklusive
ING4,90 € (ab 500 €)KostenlosBreite ETF-Auswahl, deutschsprachig
Flatex1,00 €KostenlosGut für automatisierte Verkäufe
S Brokerbis 12,50 €3,99 €/MonatEher für aktive Trader
Comdirectab 12,90 €Kostenlos ab AktivitätBewährt, guter Service

Für monatliche Entnahmen über kleine Beträge ist Trade Republic (1 €/Order) oder Scalable Capital (0,99 €/Order mit PRIME) am günstigsten. Bei einer Entnahme von 1.500 €/Monat kostet das 12 €/Jahr — deutlich weniger als bei klassischen Brokern.

Häufige Fehler beim ETF-Auszahlplan

⚠️ Die 5 häufigsten Fehler beim ETF-Auszahlplan
1. Sequence-of-Returns-Risiko ignorieren: Wer in den ersten Jahren der Entnahme starke Kursverluste erleidet und trotzdem voll entnimmt, kann das Depot nachhaltig schädigen — auch wenn die Langfristrendite positiv ist. Lösung: Liquiditätspuffer (1–2 Jahre Entnahmen) auf Tagesgeld halten. 2. Zu hohe Entnahmerate: Wer mehr als 4 % jährlich entnimmt, riskiert das Kapital aufzuzehren — besonders bei frühem Renteneintritt (25+ Jahre Horizont). 3. Kein Freistellungsauftrag eingerichtet: Ohne FSA zieht der Broker 25 % Abgeltungsteuer auch unterhalb des Sparerpauschbetrags ab. 4. Günstigerprüfung vergessen: Viele Rentner haben einen persönlichen Steuersatz unter 25 % — die bereits abgeführte Abgeltungsteuer lässt sich über die Steuererklärung (Anlage KAP) zurückfordern. 5. Entnahme nicht an Inflation anpassen: Die 4-%-Regel funktioniert nur mit inflationsangepassten Erhöhungen — wer denselben Nominalbetrag entnimmt, verliert real an Kaufkraft.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein ETF-Auszahlplan und wie funktioniert er?

Ein ETF-Auszahlplan ist eine Entnahmestrategie, bei der du regelmäßig ETF-Anteile verkaufst oder Ausschüttungen entnimmst, um ein laufendes Einkommen zu erzielen. Du bestimmst Höhe und Frequenz der Entnahmen selbst — im Gegensatz zu einer Versicherung bleibt das Restkapital bei dir.

Wie viel Depot benötige ich für 1.500 € monatlich?

Nach der 4-%-Regel benötigst du etwa 450.000 € Depot für 1.500 € brutto pro Monat (18.000 € / Jahr). Nach Steuern und je nach Einstiegskurs liegt der Nettobetrag etwas niedriger — für 1.500 € netto realistisch ca. 500.000–550.000 €.

Was ist die 4-%-Regel?

Die 4-%-Regel (Trinity Study, 1998) besagt: Wer jährlich maximal 4 % seines Portfolios entnimmt, hat in 96 % der historisch untersuchten 30-Jahres-Zeiträume sein Kapital nicht vollständig aufgebraucht. Als konservativer Richtwert gelten 3–3,5 % für längere Horizonte.

Wie werden Entnahmen aus einem ETF-Depot besteuert?

Nur der Gewinnanteil jedes Teilverkaufs unterliegt der Abgeltungsteuer (25 % + Soli). Der Anteil, der deinem ursprünglichen Einstiegskurs entspricht, ist steuerfrei. Im Rentenalter lohnt sich die Günstigerprüfung (Anlage KAP), wenn dein persönlicher Steuersatz unter 25 % liegt.

Mit oder ohne Kapitalverzehr — was ist besser?

Ohne Kapitalverzehr (nur Ausschüttungen) ist sicherer und erhält das Erbe — aber die Entnahme ist auf die Ausschüttungsrendite begrenzt (ca. 2–3 %). Mit Kapitalverzehr lassen sich höhere Entnahmen realisieren, aber das Depot wird über Zeit kleiner. Für die meisten Rentenanleger ist ein Mischmodell sinnvoll.

Welcher Broker eignet sich am besten für einen ETF-Auszahlplan?

Für monatliche Teilverkäufe sind Trade Republic (1 €/Order) und Scalable Capital (0,99 € mit PRIME) am günstigsten. ING und Flatex bieten ebenfalls gute Konditionen mit verlässlichem Service. Vermeide Broker mit hohen Fixkosten pro Order für regelmäßige kleine Entnahmen.

 


 

Video - ETF Sparplan vs. ETF Rentenversicherung

📋 Fazit
ETF-Auszahlplan 2026: Zieldepot für 1.500 €/Monat (brutto) ca. 450.000 € nach der 4-%-Regel. Nur der Gewinnanteil jeder Entnahme ist steuerpflichtig (Abgeltungsteuer 25 % + Soli). Im Rentenalter Günstigerprüfung (Anlage KAP) prüfen — oft günstiger als 25 %. Freistellungsauftrag einrichten (1.000 €/2.000 €). Sequence-of-Returns-Risiko mit 1–2 Jahren Tagesgeldpuffer absichern. Günstigste Broker für monatliche Entnahmen: Trade Republic (1 €) und Scalable Capital (0,99 €).

Deutsches Steuerrecht 2026: Abgeltungsteuer 25 % + Solidaritätszuschlag auf Gewinnanteil bei ETF-Verkäufen. Sparerpauschbetrag 1.000 € (Single) / 2.000 € (Ehepaar). Günstigerprüfung (Anlage KAP) für Rentner mit niedrigem Steuersatz. Quellen: BMF, InvStG, BaFin.

⚠️ Hinweis: Stand: Juni 2026. Quellen: BaFin, BMF, Finanztip, Trinity Study. Historische Renditen sind keine Garantie. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultiere einen BaFin-registrierten Finanzberater vor jeder Anlageentscheidung.

Klaus Bergmann
Über den Autor
Klaus Bergmann
Ehemaliger Vermögensberater mit 20 Jahren Erfahrung bei einer deutschen Privatbank. Heute teile ich unabhängige Finanzratgeber zu ETFs, Steuern und Vermögensaufbau — ohne Bankenjargon, nur ehrliche Einschätzungen.