Was ist ein ETF-Auszahlplan?
Einfache Definition
Ein ETF-Auszahlplan ist eine Entnahmestrategie, bei der du regelmäßig Anteile deines ETF-Depots verkaufst oder Ausschüttungen entnimmst, um ein laufendes Einkommen zu erzielen — vergleichbar mit einer selbst organisierten Privatrente. Im Gegensatz zu einer Rentenversicherung bleibt das Kapital in deinem Besitz, du entscheidest über Höhe und Zeitpunkt der Entnahmen, und im Todesfall geht das verbleibende Vermögen an die Erben.
Wie funktioniert ein ETF-Auszahlplan im Detail?
Du investierst während der Ansparphase monatlich in einen breit gestreuten ETF (z. B. MSCI World). In der Entnahmephase verkaufst du monatlich oder quartalsweise Anteile in Höhe deines Entnahmebetrags. Bei ausschüttenden ETFs werden Dividenden direkt ausgezahlt und ergänzen die Teilverkäufe. Der Schlüssel ist die Entnahmerate — wie viel Prozent des Depots du pro Jahr entnimmst.
Strategien: Mit und ohne Kapitalverzehr
| Kriterium | Mit Kapitalverzehr | Ohne Kapitalverzehr (nur Erträge) |
|---|---|---|
| Entnahmehöhe | Höher möglich | Begrenzt auf Ausschüttungsrendite (ca. 2-3 %) |
| Kapitaldauer | Begrenzt — Depot wird aufgezehrt | Unbegrenzt — Kapital bleibt erhalten |
| Erbschaft | Sinkendes Restkapital | Volles Kapital für Erben |
| Marktrisiko | Hoch (Sequence-of-Returns-Risiko) | Geringer |
| Typischer ETF | Thesaurierend + Teilverkäufe | Ausschüttend (Dividenden-ETF) |
| Geeignet für | Planungshorizont definiert | Kapitalerhalt als Ziel |
Die 4-%-Regel erklärt
Konkrete Beispiele: Wie viel Depot für welches Einkommen?
| Monatlicher Bruttobedarf | Jährlicher Bruttobedarf | Benötigtes Depot (4 %) |
|---|---|---|
| 500 € | 6.000 € | 150.000 € |
| 1.000 € | 12.000 € | 300.000 € |
| 1.500 € | 18.000 € | 450.000 € |
| 2.000 € | 24.000 € | 600.000 € |
| 3.000 € | 36.000 € | 900.000 € |
Diese Zahlen sind vor Steuern. Nach Abgeltungsteuer (25 % + Soli) auf den Gewinnanteil der Entnahme liegt der tatsächliche Nettobetrag je nach Einstiegskurs etwas niedriger. Für 1.500 € Netto benötigst du je nach Steuerlast ein Depot von ca. 500.000–550.000 €.
Interaktiver ETF-Auszahlplan-Rechner
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Steuern und Freibeträge in Deutschland
Steueroptimierung im Auszahlplan
Im Rentenalter ist die Günstigerprüfung besonders wertvoll: Viele Rentner haben einen persönlichen Steuersatz unter 25 % — damit lohnt sich die Anlage KAP in der Steuererklärung, um die bereits abgeführte Abgeltungsteuer teilweise zurückzufordern. Zudem gilt: Wer über mehrere Jahre Buchverluste akkumuliert hat, kann diese mit Gewinnen aus ETF-Verkäufen verrechnen (Verlustverrechnung im Verlusttopf des Brokers).
Broker-Vergleich für den Auszahlplan 2026
| Broker | Kosten pro Verkaufsorder | Depotführung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Trade Republic | 1 € | Kostenlos | Einfach, App-basiert, ideal für Einsteiger |
| Scalable Capital | 0,99 € (PRIME) | 2,99 €/Monat | Kostenlose Sparpläne inklusive |
| ING | 4,90 € (ab 500 €) | Kostenlos | Breite ETF-Auswahl, deutschsprachig |
| Flatex | 1,00 € | Kostenlos | Gut für automatisierte Verkäufe |
| S Broker | bis 12,50 € | 3,99 €/Monat | Eher für aktive Trader |
| Comdirect | ab 12,90 € | Kostenlos ab Aktivität | Bewährt, guter Service |
Für monatliche Entnahmen über kleine Beträge ist Trade Republic (1 €/Order) oder Scalable Capital (0,99 €/Order mit PRIME) am günstigsten. Bei einer Entnahme von 1.500 €/Monat kostet das 12 €/Jahr — deutlich weniger als bei klassischen Brokern.
Häufige Fehler beim ETF-Auszahlplan
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein ETF-Auszahlplan und wie funktioniert er?
Ein ETF-Auszahlplan ist eine Entnahmestrategie, bei der du regelmäßig ETF-Anteile verkaufst oder Ausschüttungen entnimmst, um ein laufendes Einkommen zu erzielen. Du bestimmst Höhe und Frequenz der Entnahmen selbst — im Gegensatz zu einer Versicherung bleibt das Restkapital bei dir.
Wie viel Depot benötige ich für 1.500 € monatlich?
Nach der 4-%-Regel benötigst du etwa 450.000 € Depot für 1.500 € brutto pro Monat (18.000 € / Jahr). Nach Steuern und je nach Einstiegskurs liegt der Nettobetrag etwas niedriger — für 1.500 € netto realistisch ca. 500.000–550.000 €.
Was ist die 4-%-Regel?
Die 4-%-Regel (Trinity Study, 1998) besagt: Wer jährlich maximal 4 % seines Portfolios entnimmt, hat in 96 % der historisch untersuchten 30-Jahres-Zeiträume sein Kapital nicht vollständig aufgebraucht. Als konservativer Richtwert gelten 3–3,5 % für längere Horizonte.
Wie werden Entnahmen aus einem ETF-Depot besteuert?
Nur der Gewinnanteil jedes Teilverkaufs unterliegt der Abgeltungsteuer (25 % + Soli). Der Anteil, der deinem ursprünglichen Einstiegskurs entspricht, ist steuerfrei. Im Rentenalter lohnt sich die Günstigerprüfung (Anlage KAP), wenn dein persönlicher Steuersatz unter 25 % liegt.
Mit oder ohne Kapitalverzehr — was ist besser?
Ohne Kapitalverzehr (nur Ausschüttungen) ist sicherer und erhält das Erbe — aber die Entnahme ist auf die Ausschüttungsrendite begrenzt (ca. 2–3 %). Mit Kapitalverzehr lassen sich höhere Entnahmen realisieren, aber das Depot wird über Zeit kleiner. Für die meisten Rentenanleger ist ein Mischmodell sinnvoll.
Welcher Broker eignet sich am besten für einen ETF-Auszahlplan?
Für monatliche Teilverkäufe sind Trade Republic (1 €/Order) und Scalable Capital (0,99 € mit PRIME) am günstigsten. ING und Flatex bieten ebenfalls gute Konditionen mit verlässlichem Service. Vermeide Broker mit hohen Fixkosten pro Order für regelmäßige kleine Entnahmen.
Video - ETF Sparplan vs. ETF Rentenversicherung
Deutsches Steuerrecht 2026: Abgeltungsteuer 25 % + Solidaritätszuschlag auf Gewinnanteil bei ETF-Verkäufen. Sparerpauschbetrag 1.000 € (Single) / 2.000 € (Ehepaar). Günstigerprüfung (Anlage KAP) für Rentner mit niedrigem Steuersatz. Quellen: BMF, InvStG, BaFin.
⚠️ Hinweis: Stand: Juni 2026. Quellen: BaFin, BMF, Finanztip, Trinity Study. Historische Renditen sind keine Garantie. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultiere einen BaFin-registrierten Finanzberater vor jeder Anlageentscheidung.