Was ist ein Auszahlplan?
Definition
Ein Auszahlplan (auch Entnahmeplan) ist eine strukturierte Strategie, bei der du regelmäßig Kapital aus einem Depot, einem Bankkonto oder einem Fonds entnimmst — für ein laufendes Einkommen im Ruhestand oder nach einer Ansparphase. Im Gegensatz zu einer Rentenversicherung bleibt das Kapital in deinem Besitz, du entscheidest über Höhe und Rhythmus der Entnahmen, und das Restkapital geht an die Erben.
Auszahlplan mit und ohne Kapitalverzehr
| Kriterium | Mit Kapitalverzehr | Ohne Kapitalverzehr |
|---|---|---|
| Entnahmehöhe | Höher möglich | Begrenzt auf Ausschüttungsrendite (2-3 %) |
| Kapitaldauer | Begrenzt — Depot wird aufgezehrt | Unbegrenzt — Kapital bleibt erhalten |
| Erbschaft | Sinkendes Restkapital | Volles Kapital für Erben |
| Risikoniveau | Höher (Sequence-of-Returns-Risiko) | Geringer |
| Typisches Produkt | ETF-Entnahmeplan mit Teilverkäufen | Ausschüttender Dividenden-ETF |
Details zur Strategie mit Kapitalverzehr: → Auszahlplan mit Kapitalverzehr — vollständiger Leitfaden
Wie funktioniert ein Auszahlplan über 20 Jahre?
Kapital, Laufzeit und monatliche Rate
Die drei Stellschrauben eines jeden Auszahlplans sind: das Startkapital, die gewünschte monatliche Rate und die erwartete Rendite während der Entnahmephase. Bei einem Kapital von 300.000 € und einer Rendite von 5 % p.a. kannst du über genau 20 Jahre monatlich ca. 1.980 € brutto entnehmen — danach ist das Kapital aufgebraucht. Mit 4 % Rendite sinkt die nachhaltige Rate auf ca. 1.820 €.
Einfluss der Inflation
Bei einer angenommenen Inflationsrate von 2 % jährlich verliert deine monatliche Entnahme nach 20 Jahren rund 33 % ihrer Kaufkraft. Aus 1.500 € werden real nur noch ca. 1.005 €. Wer Kaufkraft erhalten will, muss die Entnahme jährlich um die Inflationsrate erhöhen — das erfordert ein größeres Startkapital oder eine höhere Rendite.
Die 4-%-Regel für 20 Jahre
Die 4-%-Regel (Trinity Study) wurde für einen 30-Jahres-Horizont entwickelt. Für einen 20-Jahres-Plan ist eine Entnahmerate von bis zu 5-5,5 % jährlich statistisch tragbar — das Kapital reicht mit hoher Wahrscheinlichkeit für genau 20 Jahre. Je kürzer der Horizont, desto höher kann die Entnahmerate sein.
Wie viel Kapital brauchst du für 20 Jahre?
| Monatliche Entnahme | Rendite 4 % | Rendite 5 % | Rendite 6 % |
|---|---|---|---|
| 500 € | ca. 82.000 € | ca. 76.000 € | ca. 70.000 € |
| 1.000 € | ca. 164.000 € | ca. 152.000 € | ca. 139.000 € |
| 1.500 € | ca. 246.000 € | ca. 227.000 € | ca. 209.000 € |
| 2.000 € | ca. 329.000 € | ca. 303.000 € | ca. 279.000 € |
| 3.000 € | ca. 493.000 € | ca. 455.000 € | ca. 418.000 € |
Welche Produkte kommen infrage?
ETF-Entnahmeplan — die flexibelste Option
Der ETF-Entnahmeplan ist für die meisten Privatanleger die beste Wahl: niedrige Kosten (TER 0,20 %), flexible Anpassung der Entnahmerate, kein Vertrag, volles Kapital jederzeit verfügbar. Du verkaufst monatlich oder quartalsweise Anteile in Höhe deines Bedarfs. Geeignete ETFs für den Entnahmeplan:
- MSCI World ETF — breite Streuung, historisch ca. 7-8 % p.a.
- MSCI World ausschüttend — für direkten Einkommensfluss ohne Teilverkauf
- Dividenden-ETF Deutschland — für regelmäßige Ausschüttungen
Bank-Auszahlplan
Bei einem klassischen Bank-Auszahlplan zahlst du ein Kapital ein und erhältst feste monatliche Beträge über die vereinbarte Laufzeit. Vorteil: Planungssicherheit, keine Marktschwankungen. Nachteil: Zinsen aktuell niedrig, kein Kapitalwachstum, Kapital nach Ende aufgebraucht. Vergleich: Bestes Festgeld 2026.
Festgeldähnliche Lösungen
Für den risikoaversen Teil des Portfolios: Festgeld und Tagesgeld 2026 im Vergleich. Als Ergänzung zum ETF-Plan eignet sich ein Tagesgeldpuffer für 12–24 Monate Entnahmen — um in Börsencrashs keine ETF-Anteile zu ungünstigen Kursen verkaufen zu müssen.
Allianz-Auszahlplan und andere Versicherungslösungen
Versicherungsbasierte Auszahlpläne bieten Garantien und Planungssicherheit — meist zu höheren Kosten. Detaillierter Vergleich: Allianz Auszahlplan — Kosten, Rendite und Alternativen.
Steuern und Kosten
Produktkosten im Vergleich
ETF-Entnahmeplan: TER 0,05–0,40 % p.a. + Orderkosten (1 € bei Trade Republic). Bank-Auszahlplan: keine Orderkosten, aber oft höhere Spread-Marge. Versicherungsbasiert: oft 1,5–2,5 % p.a. Verwaltungskosten. Für monatliche Teilverkäufe sind Neobroker wie die besten Neobroker 2026 am günstigsten.
Vor- und Nachteile eines Auszahlplans
| Aspekt | Vorteil | Risiko |
|---|---|---|
| Flexibilität | Entnahme jederzeit anpassbar | Disziplin erforderlich — kein Zwang wie bei Versicherung |
| Rendite | Höher als Bankzins bei ETF-Basis | Marktvolatilität — Sequence-of-Returns-Risiko |
| Kosten | Sehr niedrig bei ETF-Brokern | Orderkosten summieren sich bei monatlichen Entnahmen |
| Steuer | Günstigerprüfung im Rentenalter möglich | Abgeltungsteuer auf Gewinnanteil |
| Erbschaft | Restkapital geht an Erben | Bei zu hoher Entnahme kein Restkapital |
| Inflationsschutz | ETFs haben historisch Inflation geschlagen | Kaufkraftverlust ohne Anpassung der Entnahme |
Häufige Fehler bei der Planung
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein Auszahlplan und wie funktioniert er?
Ein Auszahlplan ermöglicht regelmäßige Entnahmen aus einem Depot oder Konto über einen definierten Zeitraum. Die Entnahmen können aus Kapitalverzehr (Depot wird kleiner) oder aus Ausschüttungen (Kapital bleibt erhalten) bestehen. Für 20 Jahre eignen sich besonders ETF-Entnahmepläne mit Teilverkäufen.
Wie viel Kapital brauche ich für einen Auszahlplan über 20 Jahre?
Für 1.500 €/Monat über genau 20 Jahre (mit Kapitalverzehr) benötigst du bei 4 % Rendite ca. 246.000 €, bei 5 % ca. 227.000 €. Für einen nachhaltigen Plan ohne Kapitalverzehr (4-%-Regel) sind ca. 450.000 € nötig. Rechner: → Auszahlplan berechnen.
Welche Rolle spielt die Inflation beim Auszahlplan?
Bei 2 % Inflation verlieren 1.500 € nach 20 Jahren rund 33 % ihrer Kaufkraft — real nur noch ca. 1.005 €. Um Kaufkraft zu erhalten, muss die jährliche Entnahme um den Inflationsbetrag erhöht werden, was ein höheres Startkapital erfordert.
Was ist besser: ETF-Entnahmeplan oder Bank-Auszahlplan?
Der ETF-Entnahmeplan ist für die meisten Anleger besser: höhere Renditeerwartung, niedrigere Kosten, volle Flexibilität, Kapital bleibt im Besitz. Der Bank-Auszahlplan bietet mehr Sicherheit, aber deutlich geringere Renditen. Ideal: ETF-Plan + Tagesgeldpuffer für 12–24 Monate.
Wie werden Entnahmen aus einem Auszahlplan besteuert?
Nur der Gewinnanteil jeder Entnahme unterliegt der Abgeltungsteuer (25 % + Soli). Der Rückfluss des ursprünglichen Einstiegskurses ist steuerfrei. Freistellungsauftrag bis 1.000 € (2.000 € Ehepaare) nutzen. Details: → Abgeltungsteuer ETF berechnen.
Ist die 4-%-Regel für 20 Jahre geeignet?
Die 4-%-Regel ist für 30 Jahre ausgelegt. Für einen reinen 20-Jahres-Plan ist eine Entnahmerate von 5–5,5 % statistisch tragbar — das Kapital reicht mit hoher Wahrscheinlichkeit genau 20 Jahre. Für mehr Sicherheit bei unbekannter Lebensdauer: Plane besser 30 Jahre. Mehr: → ETF-Auszahlplan — vollständiger Guide.
Video – Einmalzahlung statt Rente? Der Insider-Tipp für den Ruhestand
Deutsches Steuerrecht 2026: Abgeltungsteuer 25 % + Solidaritätszuschlag auf Gewinnanteil bei ETF-Verkäufen. Sparerpauschbetrag 1.000 € (Single) / 2.000 € (Ehepaar). Günstigerprüfung für Rentner mit niedrigem Steuersatz (Anlage KAP). Quellen: BMF, InvStG, BaFin.
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⚠️ Hinweis: Stand: Juni 2026. Quellen: BaFin, BMF, Finanztip, Trinity Study. Historische Renditen sind keine Garantie. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultiere einen BaFin-registrierten Finanzberater vor jeder Anlageentscheidung.